Portrait Kai van Koolwijk

erstellt am: 01.11.2011 | von: Kai van Koolwijk | Kategorie(n): Colour Coaching, Feng Shui, Veröffentlichungen

erschienen am 03. September 2011 in der Märkischen Allgemeinen Zeitung

Die Farb-Expertin

Kai van Koolwijk aus Glienicke berät Kunden bezüglich Garderobe und Einrichtung

Sie folgt der Feng-Shui-Lehre und hat auch ihr Haus so gestaltet

Fritz Hermann Köser

Glienicke. Beige-grau ist das Kleid, mit bunten Tupfern, und das hat seinen Grund. “So wirke ich offen und zugänglich”, sagt Kai van Koolwijk. Dunkle Stoffe bedeuteten dagegen Distanz.

Die Glienickerin widmete sich anfangs intensiv der Lehre des Feng Shui. Nun arbeitet sie zunehmend als Farb-Stil-Beraterin auf Basis der asiatischen  Lehre, die auf eine Harmonisierung des Menschen mit seiner Umgebung abzielt. Es war ein längerer Prozess, bei Feng Shui vermisste die 50-Jährige immer mehr  den Aspekt der Farbe. Gut, sie wusste, wie sie das Sofa im Wohnzimmer des Kunden ausrichten muss, aber ist das Rot des Bezugs nicht etwas zu grell?

“Farben erzeugen Stimmungen”, sagt sie. Sie wirken immer, ohne dass man das gleich wahrnimmt. Trägt eine Dame rosa, signalisiere sie Hilflosigkeit, sie will die Männer auf sich aufmerksam machen, unter Umständen völlig unbewusst. Farben wirken sich auf die geistige und psychische Gesundheit aus, erklärt sie weiter, ja, sie können dem gesamten Leben eine neue Richtung geben.

Bei der Garderobe hilft die Beraterin den Kunden, meist Berufsanfängern oder jungen Müttern, die wieder arbeiten wollen, ihre persönliche Farbe zu finden. Wird der Anzug oder das Kostüm der Persönlichkeit gerecht? Kommt er auch bei Kollegen und Vorgesetzten an? Nach drei Stunden weiß sie meist die Antwort.

Den Kunden legt sie diverse Stoffe um, in einem mitgebrachten Spiegel können sie sich von der Wirkung überzeugen. Sie macht ausschließlich Außer-Haus-Besuche. Wegen der Krise werde das Angebot derzeit kaum wahrgenommen, bedauert sie.

Bei der farblichen Raumgestaltung kommen vor allem Heilpraktiker oder Physiotherapeuten auf sie zu. Das spart Beratungszeit, Kai van Koolwijk kennt sich in Praxen aus, sie war selber lange Jahre Physiotherapeutin. Aufwendig ist die Dienstleistung immer noch. Zwei Stunden lang nimmt sie Daten auf, arbeitet zuhause eine Mappe aus, zwei Wochen lang, die sie dann dem Kunden erneut zwei Stunden lang präsentiert. Ehemann Jürgen Schätzel unterstützt sie dabei. Er fotografiert und formuliert.

Für diese Beratung hat sie spezielle Farbkarten entwickelt, die sie den fünf Feng-Shui-Elementen Feuer, Wasser, Erde, Holz, Metall zuordnet. Farbe im Feng Shui sei völliges Neuland, sie sei Pionierin auf diesem Gebiet, sagt sie.

Dia asiatische Lehre bestimmt auch das Leben des Paars. Ernährung, Haus und Einrichtung haben sie danach ausgerichtet. Jedes Möbelstück muss in eine bestimmte Richtung zeigen, sagt sie, je nach Persönlichkeit und Geburtsdatum des Benutzers.

Ihr Haus stammt aus den 70ern, Typ HB-4, so die DDR-Standard-Norm, schmucklos, grau. Blickfang ist die knallrote Eingangstür, versetzt ausgerichtet, “damit die Energie (Chi) besser fließt”. Ihr Schreibtisch steht im Eingangsbereich, mit dem Rücken sitzt sie zur Wand. Das bedeutet Schutz. An der Decke hängt ein Bleikristall, ein Chi-Sammler und -verteiler, inmitten eines Mobiles. Beides hatte sie auf einem Weihnachtsmarkt entstanden, verkauft wurde es “als netter Fensterschmuck”. Der rote Teppich am Eingang dient auch als Chi-Fänger. Er stammt von Ikea.

Kai van Koolwijk, halblanges blondes Haar, sitzt in der Küche, auch hier hat sie nichts dem Zufall überlassen. An dem Geschirrschrank haften farbige Zettel, die diversen Speisen den einzelnen Elementen zuordnen. So weiß sie, in welcher Reihenfolge sie die Zutaten kochen darf. Die Decke auf dem Küchentisch zeigt sich im warmen beige-orange. “Jetzt ist Erdzeit”, sagt sie.

Zum Feng Shui kam sie 2002,  nach einem Vortrag an der Berliner Urania fingen sie und ihr Mann Feuer. Die Arbeit als Physiotherapeutin machte ihr ohnehin keinen rechten Spaß mehr, “es stagnierte”.  Das Paar besuchte Lehrgänge, absolvierte Prüfungen, beide sind zertifizierte Feng-Shui-Berater, wenngleich staatlich nicht anerkannt.

Feng Shui wird in Deutschland oft noch in die esoterische Ecke geschoben. “Viele europäische Architekten denken nur in rechten Winkeln”, sagt sie. In Hongkong und Shanghai würden sämtliche Wolkenkratzer nach Feng-Shui-Kriterien gebaut. Und China boomt. Selbst die neuen Cafés von McDonalds seien nach Feng Shui gestaltet.

Die uralte Lehre ist für sie, die lösungsorientiert denkt, eine (Grenz)-Wissenschaft, die mit abgehobener Esoterik nichts zu tun hat. Feen, Engel oder Klangschalen interessieren sie nicht.  Nichts Verklärtes oder gar Spinnertes hat sie an sich, vielmehr wirkt sie resolut, pragmatisch. Ihr Ehemann, dem Spirituellen mehr zugetan als seine bessere Hälfte, nennt weitere Eigenschaften: Belesen, korrekt, zuverlässig, beständig, fröhlich, optimistisch, gut gelaunt. Und wie gut sie doch erklären kann.

Die Affinität zur Raumgestaltung und Farbe hat sie geerbt, mutmaßt sie. Ihr Großvater, ein Architekt, brachte Farbe in die fahlen Zimmer der Krankenhäuser,  das sterile Weiß sei schlecht für die Genesung der Patienten, befand er. Ihr Vater war Designer, von ihm habe sie das Raumgefühl.

Immer noch profitiert sie von der Waldorfschule, die sie in Ulm besuchte. Die Eltern hatten sie wegen der gemischten Klassen dort angemeldet. Sie fanden das besser als die reinen Mädchen- oder Jungenschulen, die damals in Bayern üblich waren.

Nachmittags stand Malen, Zeichnen, oder Handwerkliches auf dem Stundenplan. Kunst, Geschichte und Bio waren ihre Lieblingsfächer. Ihren Namen kann sie nicht mehr tanzen, aber Eurhythmie fand sie zumindest als Kind ganz lustig.

Ulm weniger. “Schwäbisch und eng”, mit diesen zwei Worten beschreibt sie die Stadt. Nach dem Abi wollte sie nur weg.

In Göttingen ließe sie sich zur Physiotherapeutin ausbilden, bevor sie nach Berlin zog. Dort lernte sie vor 18 Jahren ihren Ehemann kennen. 1999 zog das Paar nach Glienicke, weil es einen Garten wollte. Ihre Altbauwohnung im Wedding hatte nicht einmal einen Balkon.

Gerne fährt das Paar nach Eden, wenn dort ein Tag der offenen Tür stattfindet  oder Musiker auftreten. Sie selbst hatte man mit Querflöte und Klavier traktiert, beides gehört der Vergangenheit an. Den Briefmarken ist sie treu geblieben, sie sammelt, seit sie acht ist. Als Sportmuffel begnügt sie sich mit Spazierengehen.

Und Gartenarbeit, ihr Lebenselixier. “Kai rast mit dem Schubkarren herum”, sagt Jürgen, sie sät, und erntet. Oder jagt Schnecken. “Eine Waidmännin”, witzelt er.

www www.elementfarben.de

 Info Sonnabend, 10. September, ab 14 Uhr informiert Kai van Koolwijk mit einem Stand beim Glienicker Herbst und Weinfest rund um den Dorfteich über ihre Arbeit.

Info-Kasten

Vorfahren aus den Niederlanden

Kai van Koolwijk wurde 1961 in Braunschweig geboren. Ihre Mutter war Lehrerin für Englisch und Geschichte, sie hat drei jüngere Geschwister.

Ihr Buch “Das farbige Feng Shui” erschien 2011.

Ihre Vorfahren waren vor 250 Jahren aus den heutigen Niederlanden ins Rheinland eingewandert.

Ihr Nachname bedeutet übersetzt “Aus dem Kohlwinkel”.

In Amsterdam hat sie als Kind ein halbes Jahr gelebt, sie spricht auch holländisch.

Club: Das Berliner Clubrestaurant Solar hatte sie nach Feng-Shui-Kriterien eingerichtet.

Feng Shui ist eine über 3500 Jahre alte chinesische Wissenschaft, die sich mit den Einflüssen von Natur und Umwelt auf den Menschen und sein Verhalten beschäftigt.

Chi: Nach Feng Shui sind alle Dinge dieser Welt mit positiver oder negativer Energie (Chi) versehen und können den fünf  Grundelementen zugeordnet werden.

Quotes

“Farben erzeugen Stimmungen”,

“Die europäischen Architekten denken nur in rechten Winkeln”

“Ulm war schwäbisch und eng”

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